Kunst & Kultur


Es ist an dieser Stelle nur ein kleiner Einblick möglich in die vielseitige und reiche Kultur Armeniens. Literatur, Musik und Malerei spielen für die Identität von Land und Leuten eine bedeutende Rolle. 

Literatur. Mit der Entwicklung der armenischen Schrift durch Mesrop Maschtots begann im 5. Jahrhundert auch die geschriebene Kultur der Armenier. Zunächst dominierten wissenschaftliche und vor allem liturgische Texte das Bild, ab dem Mittelalter kam auch die Lyrik dazu. Eine wichtige Rolle spielten auch Chroniken, so z.B. das Werk des Moses von Choren (Movses Khorenatsi) im 6. Jahrhundert. Im Mittelalter rückte der Mensch in den Vordergrund der Erzählungen, Liebesgedichte und Fabeln gewannen an Popularität. Bedeutendste Figur des 19. Jahrhunderts war der Romanschriftsteller Raffi (1835-1888), ebenfalls sehr wichtig ist bis heute der Volksdichter Hovhannes Tumanyan (1869-1923). Sein Haus kann man in Jerewan besuchen. Die kommunistische Ära brachte den Nationaldichter Yegische Tscharents (1897-1937) hervor, eine weitere bedeutende Persönlichkeiten der armenischen Literatur des 20. Jahrhunderts war Aksel Bakunts (1899-1937). Beide fielen den stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre zum Opfer. Als die "Grande Dame der armenischen Poesie des 20. Jahrhunderts" galt Silva Kaputikyan (1919-2006), die zwar Mitglied der Kommunistischen Partei war, sich aber für die nationale Sache der Armenier einsetzte.

 

Musik. Dass Armenien ein Land ist, in dem die Musik eine große Rolle spielt, wird vor allem an den vielen musikalischen Veranstaltungen in Jerewan deutlich. Jedes Jahr finden dutzende Festivals statt, die Oper und die Philharmonie unterhalten jede Woche tausende von Menschen, und auf den Straßen kann man mit etwas Glück sowohl Gitarrenspielern als auch Musikanten mit traditionellen Holzblasinstrumenten oder Trommeln begegnen. Die armenische Musik kann aus einem großen Repertoire vorderasiatischer Musikinstrumente schöpfen: So wurde etwa die Duduk-Flöte, das „Aprikosenrohr“, schon zur Herrschaft des Königs Tigranes II. im ersten vorchristlichen Jahrhundert gespielt. Die vielseitige Musikkultur des Landes reicht von der christlichen Liturgie über die Volkslieder und Balladen der fahrenden Sänger bis hin zur klassischen Musik der Moderne. Der bekannteste unter den fahrenden Sängern, den Aschugen, ist Sayat Nova (1712-1795), nach dem in so gut wieder jeder Stadt eine Straße benannt ist. Er war Dichter, komponierte eigene Lieder und spielte die Kamantsche, ein persische Stachelgeige. Doch auch im 20. Jahrhundert haben die Armenier bedeutende Komponisten hervorgebracht: Der bekannteste unter ihnen dürfte Aram Khachaturyan (1903-1978) gewesen sein, der als einer der bedeutendsten Komponisten der Sowjetunion galt und dessen Musik vor allem von der armenisch-georgischen und kaukasischen Volksmusik beeinflusst war. Auch Arno Babadzhanyan (1921-1983) orientierte sich zunächst an der armenischen Volksmusik, öffnete sich aber ab dem Ende der 1950er Jahre auch für musikalische Neuerungen. Den Komponisten des Landes wird in Jerewan an zahlreichen Plätzen mit Statuen und Skulpturen gedacht.

Der Komponist Aram Khachatryan (1903-1978).

Architektur. Zur armenischen Baukunst gehören natürlich die zahllosen bedeutsamen Kirchen und Klöster, die man in Etschmiadsin, Geghard, Tatev, Hagharzin, am Sevan-See und an so vielen anderen Orten im Land findet. Daneben gibt es aber auch noch die spezifisch armenische Stadtarchitektur, die man heute leider fast nur noch in Gyumri antrifft. In Jerewan haben die Veränderungen der letzten 100 Jahre ihre Spuren hinterlassen: Die alten Straßenzüge sind zur Zeit der Sowjetunion den Umgestaltungen des Architekten Alexander Tamanyan (1878-1936) gewichen, wodurch u.a. der Platz der Republik mit seiner monumentalen armenischen Neoklassik sein heutiges Gesicht bekam.