Andere Religionen in Armenien


Die überwältigende Mehrheit der Armenier ist christlich, nämlich fast 98 Prozent der Bevölkerung. Die Armenisch-Apostolische Kirche ist ein wichtiges Identitätsmerkmal des armenischen Volkes. Dennoch hat Armenien auch eine lange Geschichte der Prägung durch andere Glaubensgemeinschaften. 

Die Blaue Moschee in Jerewan.

Muslime. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es acht Moscheen in Jerewan, im ganzen uyezd (Landkreis) sollen es sogar um die 60 gewesen sein. Heute ist die Blaue Moschee der einzige noch aktive islamische Ort des Gebets in Armenien. Der Bau dieses schiitischen Gotteshauses wurde 1786 abgeschlossen, die persischen Einflüsse sind deutlich sichtbar. Im Jahr 1995 wurde das Areal der Moschee an den iranischen Staat übergeben, 2015 wurde der Vertrag um 99 Jahre verlängert. Dem blutigen Konflikt mit Aserbaidschan ist es geschuldet, dass so gut wie alle Aseri zwischen 1988 und 1991 Armenien verließen. Heute gibt es nur noch um die 1.000 Muslime (weniger als 0,1 Prozent) im ganzen Land, zu denen auch ein Teil der kurdischen Bevölkerung Armeniens gehört.

Jesiden. Etwa 0,8 Prozent der Einwohner Armeniens sind Jesiden, unterschiedlichen Schätzungen zufolge beläuft sich ihre Zahl auf 35.000 bis 50.0000 Personen. Die Jesiden gehören zur kurdischen Minderheit des Landes und leben im Westen Armeniens. In Aknalitsch in der Provinz Armavir wurde 2013 ein Ziyarat-Tempel eingeweiht, der an das jesidische Hauptheiligtum im nordirakischen Lalisch erinnert. In der armenischen Nationalversammlung gibt es sogar einzelne kurdische und jesidische Abgeordnete.

Juden. Anders als die meisten anderen ehemaligen Sowjetstaaten hatte Armenien nie eine bedeutend große jüdische Gemeinde. Dennoch ist die Geschichte der Juden in Armenien schon über 2.000 Jahre alt: Als sich König Tigranes der Große im ersten vorchristlichen Jahrhundert aus Judäa zurückgezogen hatte, soll er 10.000 jüdische Gefangene mit sich gebracht haben. Auch im Mittelalter lassen sich jüdische Gemeinden in Armenien nachweisen. Erst 1996 wurden in Yeghegis die Überreste einer jüdischen Siedlung und eines Friedhofs aus dem 13. Jahrhundert entdeckt, die noch nicht gänzlich erforscht sind. Heute leben nur noch 100 bis 500 Juden (oft in Mischehen mit Christen) in Armenien, die meisten davon in Jerewan. 

Molokanen. Neben einigen Protestanten sowie Angehörigen anderer christlicher Konfessionen gibt es in Armenien auch einige Dörfer, in denen die russische Gruppe der Molokanen lebt. Die Molokanen haben sich vor langer Zeit von der Russisch-Orthodoxen Kirche abgespalten und kamen in den 1840er Jahren nach Armenien. Sie leben heute in Fioletovo und anderen Dörfern zwischen Vanadzor und Dilidschan.